Ihr seid Fans von Konsolenprogrammen? Oder aber habt einen Rechner bei dem es kaum möglich ist, graphische Programme zu nutzen? Vielleicht habt ihr noch nicht einmal einen X-Window-Server auf eurem Rechner? - Wollt aber dennoch konfortabel Musik hören? Dann solltet ihr euch vielleicht einmal Orpheus [1] anschauen.
Orpheus ist ein Musikspieler für die Konsole, mit dem sich Musik im mp3 und ogg-vorbis Format, sowie CDs abspielen lassen. Dies war für den Entwickler der Grund, Orpheus zu schreiben, denn mit allen anderen konslonenbasierten Programmen gibt es entweder keine Playlist-Unterstützung, oder aber es lässt sich nur Musik von Festplatte, oder von CD abspielen, nicht aber beides zusammen. Orpheus ist [soweit ich weiß] das einzige Programm, welches es ermöglicht sowohl Titel von der CD, so wie mp3s in einer Playliste zu vereinen. Geschrieben wurde das Programm von Klyagin Konstantin Nickolayevich [2], dem Entwickler von Centericq [3], und ist dementsprechend ähnlich aufgebaut.
Orpheus ist dabei im Prinzip nichts weiter als ein Frontend für die Konsolenprogramme mpeg123 [4] und ogg123 [5].
Das Programm basiert, wie Centericq, auf den ncurses [6], und lässt sich, wie dieser, entweder über die Datei config oder aber auch vollständig über Menüs und Dialoge im Programm konfigurieren. Auch gibt es hier wieder eine Datei color, über welche man die farblichen Einstellungen im Programm ändern kann - allerdings ist dieses bei Orpheus nicht in dem Ausmaße möglich, wie es bei Centericq möglich ist.
Mit dem Programm ist es möglich, Playlisten zu erstellen und diese zu speichern und zu laden. Außerdem gibt es über das Menü auch die Möglichkeit, ganz einfach und schnell auf Playlisten zuzugreifen, die man erst kürzlich gespielt hatte. Alle wichtigen Tastaturbefehle, sind dabei im Programm gezeigt - man brauch sie also nicht zwingend auswendig zu lernen, oder vorher in der README zu wühlen. In der Playliste werden die Lieder, soweit vorhanden, über die ID3 Tags [7] angezeigt. Ansonsten wird der Dateiname genommen. Gleichzeitig werden die ID3 Tags, oder der Name der Datei in die Datei currently_playing geschrieben - ideal also für Freunde von Now-Playing Scripten fürs IRC, Websetein, oder Ähnliches. Sollten keine ID-Tags vorhanden sein, bietet Orpheus auch eine Möglichkeit, diese über ein Menü zu erstellen.
Für die Anzeige von CD-Titeln verbindet sich Orpheus mit einem CDDB-Server [8] und sucht hier die passende CD raus um die Titel anzeigen zu können.
Ansonsten hat Orpheus auch alle elementaren Features, die andere Musikspieler bieten: Verschiedene Playlistenmodi: Playliste runterspielen, Playliste wiederholen, Track wiederholen sowie Zufällige Reihnfolge. Die Playlist lässt sich alphabetisch ordnen, und mit einer Suchfunktion nach Titeln durchsuchen. Orpheus besitzt einen internen Mixer, mit dem sich die Lautstärken verschiedener Ein und Ausgänge regeln lassen.
Weiterhin gibt es ein Feature, dass einige bestimmt besonders ansprechen wird, nämlich eine Remote-Funktion. Wenn Orpheus läuft, dann kann man ihm über eine weiter [entfernte] Konsole auch Befehle zukommen lassen. Die Syntax hierzu sieht so aus: orpheus -r <BEFEHL>. Über dieses Feature gibt es die Möglichkeit, Datein in der Playliste einzufügen, Playlisten zu laden, ein Lied vor oder zurück zu springen oder aber dem Programm zu sagen, dass er zu einer Bestimmten Stelle in der Playlist springen soll.
Somit eröffnet Orpheus hiermit neue Anwenudgsfelder: man könnte ihn z.B. remote über einen Anderen Rechner steuern [mithilfe von putty dann auch unter Windows].
Außerdem ist Orpheus als Konsolenprogramm ein wirkliches Fliegengewicht, dass auch im Betrieb kaum Arbeitspeicher und Rechenleistung in Anspruch nimmt:
root@Eisdrache bin # du -h orpheus
296K orpheus
Bei mir läuft Orpheus selbst bei 100% CPU-Auslastung ohne dass man irgendetwas merkt.
Naja, ein Programm kann aber leider nicht nur Vorteile haben und ich möchte euch auch die Nachteile über die ich gestolpert bin, nicht vorenthalten:
So schön die Verwaltung von Playlisten auch ist - mit größeren Playlisten bekommt Orpheus Probleme. Bei meiner 3100 Liedern starke Liste braucht Orpheus einige Minuten, bis sie Initialisiert ist.
Weiterhin sind Playlisten die einzige Möglichkeit, mehrere Datein zu laden - Orpheus kennt noch keine Möglichkeiten, z.B. den Inhalt ganzer Ordner zu laden, oder ähniches. Will man keine Playliste erstellen, bleibt einem nichts anderes übrig, als jede Datei über die Menüs einzeln einzufügen. Auch kann man nicht zwei Playlisten hintereinander einfügen.
Das erstellen von Playlisten erweist sich unter Linux aber auch nicht als sonderlich großes Problem. Mit folgenem einzeiler sorgt man, z.B. dafür, dass alle mp3s, die man auf dem Rechner hat, in eine Playliste geschrieben werden [vorausgesetzt, man führt es unter / aus]:
find -name "*.mcode3" | sort > mcode3s.m3u
Man kann | sort natürlich auch weglassen, bzw. find ein Verzeichniss übergeben, von dem aus er suchen soll.
Ein weiterer Nachteil über den ich gestolpert bin: Wenn man ID-Tags über ein anderes Programm ändert, so wird diese änderung auch beim Aktuallisieren der Playliste nicht übernommen - erst ein Neustart bewirkt, dass die Änderungen auch hier angezeigt werden.
Und auch die Suchfunktion funktioniert leider noch nicht so zuverlässig, wie man es sich wünschen würde - hin und wieder wird eine Datei, die in der Playliste ist, dann doch nicht gefunden - da hilft dann nichts weiter, als zu dieser hin zu scrollen.
Naja, aber Nobody is perfect ;)
Alles in allem finde ich das Orpheus ein klasse Programm auf Konsolenbasis ist: Simpel, klein, handlich und dennoch sehr mächtig hat es das Potential, sogar für X-Basierte Programme [z.B. XMMS [9]] eine ernsthafte Konkurenz zu werden.
Anschauen lohnt sich also [bisher hab ich auch nur positives Feedback von allen vernommen, denen ich es empfohlen hab].

Orpheus im Betrieb unter aterm mit veränderter color-Datei
[1] http://konst.org.ua/en/orpheus
[2] http://konst.org.ua/en/about/
[3] http://konst.org.ua/en/centericq
[4] http://www.mpg123.de
[5] http://www.vorbis.com/index.psp
[6] http://www.gnu.org/software/ncurses/ncurses.html
[7] http://www.de.wikipedia.org/wiki/ID3-Tag
[8] http://www.gracenote.com/music/
[9] http://www.xmms.org
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